Der Nutzen der dunklen Zeit
- Priya Sharan

- 22. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 26. Dez. 2025

Der Monat Paush im vedischen Mondkalender ist als der Monat des Surya Sadhana bekannt, einer Zeit der Verehrung des Sonnengottes. In diesem Monat erreicht der Winter auf der Nordhalbkugel seinen Höhepunkt; die Tage sind kurz, die Nächte lang und kühl. Es gibt kaum einen Abend, da die Nacht bereits nach Mittag hereinbricht. Die Sonnenverehrung ist die Verehrung von Bhagvan Vishnu selbst, derjenige, der den Tag belebt und ihm Kraft verleiht.
Oder: die mächtige Wahrheit, die in Gestalt der Sonne allem Leben schenkt und ihnen seine Energie zum Handeln verleiht – das ist Vishnu. Tatsächlich ist diese Gestalt (die Sonne) von Vishnu für alle sichtbar und am leichtesten zu verstehen. Die Sonnenverehrung war in fast allen alten Zivilisationen verbreitet.

Diese Jahreszeit bringt in der vedischen Überlieferung einen wichtigen Tag mit sich: Kurma Dwadashi. Das ist der Tag, an dem der zweite Avatar von Lord Vishnu geehrt wird: Die Schildkröten-Inkarnation (Kurma) (siehe Bild).
Dazu gibt es zahlreiche alte Überlieferungen, Bildnisse, Statuen, und Dichtungen.
Folgende Verse aus der Shrimad Bhagavatam sind ein Beispiel:
ततः स भगवान् विष्णुः कूर्मरूपेण भूतले । Daraufhin nahm der erhabene Bhagavān Viṣṇu die Gestalt einer Schildkröte an
मन्दरं धारयामास पृष्ठे तस्य महाद्भुतम् ॥ und trug den Berg Mandara auf seinem Rücken – wahrlich etwas Wunderbares.
(Bhāg. 8.8.7)
Geschichte: Beim Samudra Manthana (dem Quirlen des Milchozeans) verwendeten Devas (Halbgötter) und Asuras (Dämonen) gemeinsam:
den Berg Mandara als Rührstab
den Schlangenkönig Vasuki als Zugseil
Durch die enorme Belastung:
begann der Berg im Ozean zu versinken,
Vāsuki erlitt starke Qualen und spie Gift (Halahala),
der gesamte Vorgang drohte zu scheitern.
Um den kosmischen Prozess zu stabilisieren, inkarnierte sich Bhagavān Vishnu als Kurma, die gewaltige kosmische Schildkröte:
Er legte Mandara auf seinen Rücken,
neutralisierte das Absinken durch seine göttliche Stützkraft,
ermöglichte so das Fortsetzen des Manthana bis zur Gewinnung von Amrit, Lakshmi u.a.
Was bedeutet das für unsere quantenmechanische Realität, in der wir leben? Das Feld der Möglichkeiten, aus dem wir Realität schöpfen? Und im Feld der Liebe (des Ras), aus dem wir alle kommen?

Wir alle stammen aus dem Feld bedingungsloser spielender Liebe. Dem Kernquell Gottes, oder des göttlichen Paares, auf einer Plattform (Insel) der Liebe (Swami Shri Haridas, der Prem Avatari von Lalita Sakhi, war die fleischgewordene Inkarnation dieser Liebes-Plattform).
Im Laufe unser vielfältigen Inkarnationen kondensierte diese Liebe zu verschiedenen Welten, Ich-Identitäten, Seelen-Verkleidungen, die die verschiedenen Splitter Gottes (Seele sind wie Splitter Gottes) annahmen.
Die Seelen kämpften in ihren Verkleidungen miteinander. Einige verkleideten sich als Dämonen, andere als Halbgötter, wieder andere als Polizisten, Aufpasser, Weise, Lehrer oder Staatsoberhäupter.

Fast keiner wollte das Fußvolk sein, sondern alle wollten Häupter, Könige, wichtige Menschen, reich und berühmt sein. Da das aber nun mal nicht für alle geht, entstand ein Kampf um den Platz an der Sonne. Mal gewann der Klügste, mal der Weiseste (was nicht dasselbe ist), mal der Mächtigste und so fort. Alle anderen waren "Verlierer". Indianer, keine Häuptlinge. Weil: Häuptlinge können nur wenige sein, aber Indianer viele.

Dieser Kampf des Lebens tobt so fort, bis der Mensch in sein Inneres geht, in den Milchozean des Unterbewusstseins, dem quantenphysikalischen Realitätsursprung und dem Feld der Möglichkeiten, um sein wahres Selbst zu entdecken.
Dort kann er sich - nachdem er das Ego-Gift der verschiedenen Verkleidungen seiner Seele gesichtet, klassifiziert und losgelassen hat (transzendiert hat), als Seele, als liebendes Wesen, als geliebtes Kind Gottes erkennen, das er ursprünglich ist.
Das ist das Potential des Ozean-Quirlens. Das ist der Beginn des Weges zurück in die Welt der Rasiks - der Liebhaber der Liebe. Das ist der Weg zurück zum bedingungslos liebenden Gott-Bewusstsein umfassender göttlicher Liebe. Dort geht es um den Raum der Liebe, statt um den Liebhaber, den Geliebten oder das Ergebnis.
In diesem Sinne wünschen wir ein liebevolle und besinnungsreiche dunkle Zeit, eine Zeit zum Quirlen des Milchoezans im Inneren.

Shri Haridas!




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